Der Tegelberg meldet schwachen Nordwest. Ich bin zur ersten Gondel an der Bahn.
Oben wird der Wind noch schwächer und dreht auf Nordost. Da lege ich aus. Dann
ist er Null. Nullstarts habe ich immer gut hingekriegt, lieber allerdings nach Nord-
west. Ich wage es und schaffe es nicht, auf der verfügbaren Laufstrecke den Schirm
tragend über mich zu bringen. Ich überschlage mich in die Latschen. Alle Knochen
sind heil, Wunden hab ich keine. Ich hänge mich aus, behalte Gurt und Helm an,
steige mühsam zum Startplatz. Mir ist klar, dass ich allein so nicht weiterkomme.
Ich hoffe, an der Bahn jemanden zu finden, der mir helfen
kann. Klaus kommt! Und hilft! Allein, ich bin zu schwach.
Ich beobachte von oben den sehr mühamen Fortschritt.
Im Großraum München leuchtet ein riesiges Gebäude.
Micha, ein Frischflieger
hier, kommt dazu und
hilft auch! Zu zweit gehts
dort viel schneller voran.
Ich lade die beiden ins Tegelberghaus ein. Danach ent-
wirre ich den Schirm und hab wieder Hilfe, danke! Es ist
offensichtlich alles heil geblieben. Für mich ist klar, dass
ich nicht fliege. Es wäre immer noch Null Wind. Gegen
eins treffe ich meine Schwester am Füssener Bahnhof.
Ich erwarte Ersatzbus, sie kommt jedoch mit der Bahn.
Von ihrem Hotel aus wandern wir in die Altstadt.
Es ist alles sehr anstrengend. Es tut sehr gut, reden zu können und mich verwöhnen
zu lassen. Ich muss mir eingestehen, dass ich nicht annähernd so fit bin wie vor dem
Krankenhaus. Darüber hinaus, sicher geglaubte Startsituationen sind für mich nicht
mehr sicher. Die bevorstehende kalte Jahreszeit wird mich oft mit Nullwindsituatio-
nen konfrontieren. Auch mit Schnee und Eis. Dann kommen bittere Entscheidungen.